- Das extreme Trockenjahr 2025 und die anhaltende Dürre 2026 bedrohen die deutschen Grundwasserspeicher akut.
- Ökoflächen wirken wie ein schadstofffreier Schwamm und lassen das wenige Regenwasser mehr als doppelt so gut in die Grundwasserspeicher einsickern wie konventionelle Flächen.
- Trotz minimaler Niederschläge sicherte der Ökolandbau so allein 2025 über 2,73 Milliarden Kubikmeter sauberes Wasser für die Allgemeinheit.
- Der Verzicht auf Ackergifte im Ökolandbau spart der Allgemeinheit zudem bis zu 1,8 Milliarden Euro an Wasseraufbereitungskosten.
Der Hintergrund: Ökoflächen wirken wie ein schadstofffreier Schwamm und lassen das wenige Regenwasser mehr als doppelt so gut in die Grundwasserspeicher einsickern wie konventionelle Ackerflächen. Unter www.bio-wasseruhr.de macht das Monitoring-Tool transparent, welchen ökologischen und ökonomischen Mehrwert die Bio-Betriebe in Zeiten des sich beschleunigenden Klimawandels schon heute für die Gesellschaft erwirtschaften.
Die zentralen Werte der Bio-Wasseruhr für das Gesamtjahr 2025 im Überblick:
- 2.732.075.940 Kubikmeter Wasser (mehr als 2,7 Billionen Liter) hat der Ökolandbau durch seinen konsequenten Verzicht auf alle Ackergifte vor Pestiziden, Kunstdüngern und anderen Chemikalien geschützt und sauber in die Grundwasserspeicher gelangen lassen. Das ist ungefähr so viel Wasser wie der Schweriner See (Mecklenburg-Vorpommern), die Müritz (Mecklenburg-Vorpommern), der Königssee (Bayern), der Große Plöner See (Schleswig-Holstein) und der Plauer See (Mecklenburg-Vorpommern) zusammen enthalten.[1] In den vergleichsweise niederschlagsreichen Vorjahren 2024 und 2023 waren es sogar 4,0 bzw. 3,8 Milliarden Kubikmeter Wasser.
- 1.934.350 Hektar Ökolandbaufläche und damit 11,7 Prozent der Ackerflächen in Deutschland bildeten 2025 das Fundament für diesen überproportional wirkungsvollen Wasserschutz (2024: 11,5 Prozent, 2023: 11,4 Prozent, 2020: 10,3 Prozent, 2010: 5,9 Prozent, 2000: 3,2 Prozent).[2]
- 642 Liter Niederschlag pro Quadratmeter markieren das Jahr 2025 als eines der historisch trockensten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Im Vergleich zum langjährigen Mittel brachen die Niederschläge um ganze 17 Prozent ein. Von Anfang Februar bis Mai war es in Deutschland dabei so trocken wie noch nie. Auch die später im Jahr vielerorts Überschwemmungen hervorrufenden Starkregenereignisse glichen dies bei weitem nicht aus.[3]
- 137 Prozent bzw. 2,37-mal höhere Regenaufnahme:[4] Ökolandbauflächen wirken im Vergleich zu konventionell bewirtschafteten Böden wie ein guter Schwamm. Sie sorgen dafür, dass nicht nur bei zunehmender Dürre, sondern auch bei den durch den Klimawandel zukünftig häufiger auftretenden plötzlichen Unwettern mehr Niederschlag sauber den Weg in die Grundwasserspeicher findet, statt als Hochwasser über die Felder in die Siedlungsgebiete abzufließen.
- Bis zu 1,8 Milliarden Euro eingesparte Kosten: Weil im Ökolandbau Schadstoffe wie Kunstdünger und Pestizide gar nicht erst auf die Felder ausgebracht werden, entfällt für das auf Ökoflächen in die Böden eingesickerte Wasser die aufwendige technische Aufbereitung durch die Wasserversorger. Das entlastet die Allgemeinheit direkt, die diese Aufbereitung normalerweise über die Wasserrechnung bezahlen müsste.
Frank Stieldorf, Geschäftsführer des Bioverbands Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser: „Die Daten der Bio-Wasseruhr zeigen ganz unmissverständlich: Gerade in Zeiten extremer, aufeinanderfolgender Dürrejahre wie 2025 und 2026 ist der Ökolandbau unsere wichtigste Lebensversicherung für sauberes Trinkwasser. Unsere Bio-Böden wirken wie ein hochfunktionstüchtiger Schwamm. Sie nehmen den spärlichen Regen optimal auf und lassen ihn unbelastet von Ackergiften versickern. Wer das Grundwasser von morgen sichern will, muss den Ökolandbau jetzt konsequent und flächendeckend fördern. Jeder Cent, der hier investiert wird, spart der Allgemeinheit ein Vielfaches an späteren Reparaturkosten und entlastet schon heute die Privathaushalte wirkungsvoll über die Wasserrechnung.“
Zum Hintergrund:
Ohne Gift: Doppelter Wasserschutz durch Ökolandwirtschaft
Bio-Betriebe verzichten bei der Bewirtschaftung ihrer Flächen konsequent auf künstliche Düngemittel sowie auf Pestizide und andere Ackergifte. Das bedeutet, dass Schadstoffe gar nicht erst ausgebracht werden und deshalb auch nicht ins Grundwasser einsickern können. Die natürlichen Wasservorkommen, in deren Einzugsgebiet ökologisch gewirtschaftet wird, sind somit bestmöglich vor menschgemachten Schadstoffen geschützt.
Ökologische Flächen besitzen eine weitere wesentliche Eigenschaft, die jeden Quadratmeter Ökolandbau zu einem wertvollen Beitrag für den Trinkwasserschutz machen. Da die Böden eine deutlich höhere biologische Vielfalt und damit eine lockere Struktur aufweisen, erreichen sie laut diverser Studien rund die doppelte, laut einer Metastudie des renommierten Thünen-Instituts sogar ein um rund 137 Prozent höhere Regenaufnahme gegenüber konventionell bewirtschafteten Böden.[5]
Das Regenwasser sickert besser in den Boden ein, und der Teil, der nicht von den Pflanzen aufgenommen wird oder verdunstet, kann ungehindert seinen Weg in das Grundwasser antreten. Das hilft nicht nur bei Dürre, sondern auch bei den plötzlich auftretenden Starkregenereignissen, weil der Niederschlag auch dann besser seinen Weg in die Grundwasserspeicher findet statt als Hochwasser über die Felder in die Siedlungsgebiete abzufließen.
Das durch Bio-Landwirtschaft geschützte Wasser im zeitlichen Verlauf (in Milliarden Kubikmetern):
Die Werte der Bio-Wasseruhr
Zur Berechnung des auf landwirtschaftlichen Flächen geschützten Wassers setzt die Bio-Wasseruhr auf Basis amtlicher und ergänzender wissenschaftlicher Daten drei Dinge ins Verhältnis:
- die durchschnittliche Menge an Niederschlägen in Deutschland innerhalb eines Jahres[6],
- die ökologisch bewirtschaftete Fläche in Deutschland im entsprechenden Jahr bzw. deren Anteil[7] sowie
- die durchschnittliche Grundwasserneubildungsrate auf ökologisch bewirtschafteten Flächen.
Letztere wird wegen der im Vergleich weit höheren Regeninfiltrationsrate auf Ökoflächen – äußerst konservativ – mit 22 Prozent angesetzt, während für konventionelle Böden lediglich von einer Grundwasserneubildungsrate von 16 Prozent ausgegangen wird.[8]
Zur Berechnung des monetären Mehrwerts für die Gesellschaft legt die Bio-Wasseruhr direkt die Kosten zugrunde, die bei Wasserversorgern bei der Aufbereitung eines Kubikmeters von Nitrat und Pestiziden belasteten Wassers anfallen und die von den Haushalten ansonsten mit der Wasserrechnung bezahlt werden müssen.[9] Dies sind aktuell etwa 65 Euro-Cent pro Kubikmeter.
Dieser Kostenblock wird allerdings stetig größer, denn mit der Ausbringung von immer mehr Schadstoffen auf den Äckern steigen auch die Anforderungen an die Wasseraufbereitung. Wobei zu berücksichtigen ist, dass die Aufbereitung genau das tut, was schon begrifflich in ihr steckt: Sie macht das Wasser nicht komplett rein, sondern bereitet es so auf, dass gesetzliche Grenzwerte für die enthaltenen Schadstoffe eingehalten werden.
Der Wasserschutz durch Ökolandwirtschaft dagegen sorgt dafür, dass das Wasser gar nicht erst verschmutzt wird.
[1] Siehe hierzu die Liste der größten Seen Deutschlands auf https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_gr%C3%B6%C3%9Ften_Seen_in_Deutschland.
[2] Siehe hierzu: https://www.boelw.de/themen/zahlen-fakten/landwirtschaft/artikel/flaechen-und-betriebe-2026/
[3] Siehe hierzu https://www.umweltbundesamt.de/daten/umweltzustand-trends/klima/trends-der-niederschlagshoehe#; Zur Rekordtrockenheit im Frühjahr 2025 zusätzlich auch https://www.dwd.de/DE/presse/pressemitteilungen/DE/2025/20250415_pm_trockenheit.pdf?__blob=publicationFile&v=2 und https://www.dwd.de/DE/presse/pressemitteilungen/DE/2025/20251230_pm_jahr-2025.pdf?__blob=publicationFile&v=4 sowie.
[4] Thünen Report 65, S. 179ff., abrufbar unter https://www.thuenen.de/media/publikationen/thuenen-report/Thuenen_Report_65.pdf.
[5] Siehe zur höheren Infiltrationsleistung von Ökoflächen beispielsweise Julius Kühn-Institut, Vergleichende Untersuchungen der Infiltrationseigenschaften von konventionell und ökologisch bewirtschafteten Böden, Mai 2009 sowie Thünen Report 65, S. 179ff., abrufbar unter https://www.thuenen.de/media/publikationen/thuenen-report/Thuenen_Report_65.pdf.
[6] Deutscher Wetterdienst, „Mittlere jährliche Niederschlagshöhe in Deutschland 1881 bis 2025“, abrufbar unter https://www.umweltbundesamt.de/bild/jaehrliche-mittlere-niederschlagshoehe-in
[7] Bundesamt für Landwirtschaft und Ernährung, Strukturdaten Ökolandbau, abrufbar unter https://www.ble.de/DE/Themen/Landwirtschaft/Oekologischer-Landbau/_functions/StrukturdatenOekolandbau_table.html; Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, Strukturdaten zum ökologischen Landbau, abrufbar unter https://www.bmel-statistik.de/landwirtschaft/oekologischer-landbau#:~:text=Die%20Strukturdaten%20zum%20%C3%B6kologischen%20Landbau,Fl%C3%A4che%20betrug%2010%2C3%20Prozent.
[8] Siehe hierzu Fußnote 2 und 3 sowie die Angaben in Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg, „Grundwasserüberwachungsprogramm. Ergebnisse 2018 und 2019“, abrufbar unter https://pudi.lubw.de/detailseite/-/publication/10189 und Bayerisches Landesamt für Umwelt „Wasserkreislauf und -bilanzen“, diverse Dokumente abrufbar unter https://www.lfu.bayern.de/wasser/wasser_kreislauf_bilanzen/index.htm.
[9] Angaben laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft BDEW, Gutachten zur Berechnung der Kosten zur Sicherung der Trinkwasserbereitstellung, abrufbar unter https://www.bdew.de/media/documents/20170113_BDEW_Gutachten_Nitrat_final.pdf, Umweltbundesamt, Landwirtschaftlich verursachte Kosten zur Sicherung der Trinkwasserbereitstellung, abrufbar unter https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/quantifizierung-der-landwirtschaftlich-verursachten sowie Umweltbundesamt, Factsheet Wie viel zahlen Trinkwasserkunden für die Überdüngung, abrufbar unter https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/2546/dokumente/factsheet_kosten_nitrat_trinkwasser_0.pdf



