Ver­öf­fent­li­chung „Schwarz­buch Wasser – Teil III“

4. Juni 2020

Die Qua­li­täts­ge­mein­schaft Bio-Mine­ral­wasser hat jetzt anläss­lich des am 5. Juni began­genen Welt­um­welt­tages den dritten Teil ihrer Über­sichts­studie zum Zustand des deut­schen Grund- und Trink­was­sers veröffentlicht.

Sie ergänzt und aktua­li­siert damit die ersten beiden Teile des „Schwarz­buchs Wasser“, die deutsch­land­weit erst­malig Daten zur Was­ser­ver­schmut­zung aus Bund und Län­dern kom­pakt in einem über­sicht­li­chen Doku­ment zusam­men­fassen. Im Fokus steht diesmal mit spe­zi­ellem Blick auf Berlin, Düs­sel­dorf und Nürn­berg zum einen das Lei­tungs­wasser im städ­ti­schen Raum, das vor allem indus­tri­elle und phar­ma­zeu­ti­sche Rück­stände auf­weist. Zum anderen geht das Update anhand neuer Daten aus Nord­rhein-West­falen und Bayern auf die Kon­ta­mi­na­tion des Was­sers mit Nitrat und Pflan­zen­schutz­mit­teln ein und beleuchtet die Aus­wir­kungen auf Leitungs‑, Tafel- und Mineralwasser.

Die zen­tralen Ergebnisse:

  • Lei­tungs­wasser im städ­ti­schen Raum: 
    • Der ver­öf­fent­lichte Unter­su­chungs­um­fang der städ­ti­schen Was­ser­ver­sorger schwankt stark; das pau­schale Urteil, deut­sches Lei­tungs­wasser habe „her­vor­ra­gende Qua­lität“, ist so nicht zu halten.
    • Das Lei­tungs­wasser vieler deut­scher Groß­städte ent­hält in zuneh­mendem Umfang Rück­stände von Arz­nei­mit­teln und Indus­trie­che­mi­ka­lien sowie Süß­stoffe und Pflan­zen­schutz­mittel: Im Was­ser­werk Berlin-Tegel wurden 2018 bei­spiels­weise 19 Arz­nei­mit­tel­sub­stanzen nachgewiesenen.
    • In Haus-Lei­tungs­was­ser­proben etli­cher Groß­städte finden sich laut einer Fraun­hofer-Studie von 2018 zudem Keime, Nickel und Blei, teils weit ober­halb der für Lei­tungs­wasser gel­tenden Grenz­werte: Ein Fakt, der auf die zusätz­liche Kon­ta­mi­na­tion des Lei­tungs­was­sers inner­halb der Haus­lei­tungs­sys­teme hinweist.
  • Pes­ti­zide und Nitrat in der Fläche: 
    • Das Pro­blem der Pes­tizid-Rück­stände im deut­schen Grund­wasser hat sich in den letzten Jahren deut­lich ver­schärft: In immer mehr Mess­stellen werden immer mehr Wirk­stoffe und ihre Abbau­pro­dukte gefunden. Inner­halb des letzten Unter­su­chungs­zeit­raums der Bun­d/­Länder-Arbeits­ge­mein­schaft Wasser von 2013 bis 2016 wurden bun­des­weit in 57,5 Pro­zent aller Mess­stellen so genannte „nicht­re­le­vante“ Meta­bo­lite gefunden – ein Anstieg um 11 Pro­zent­punkte seit der letzten Untersuchungsperiode.
    • Auch in 80 Pro­zent der Lei­tungs­was­ser­proben aus 20 unter­suchten Städten wurden laut Stif­tung Waren­test im Jahr 2019 Pflan­zen­schutz­mittel- Rück­stände gefunden.
    • In nahezu allen baye­ri­schen Lei­tungs­was­ser­proben lag laut der Ten­denz­studie 2018 des Baye­ri­schen Lan­des­amts für Gesund­heit und Lebens­mit­tel­si­cher­heit der Nitrat­wert ober­halb von 10 mg/l. Damit über­schritt das Lei­tungs­wasser fast flä­chen­de­ckend den Grenz­wert für Wasser, das zur Her­stel­lung von Säug­lings­nah­rung geeignet ist.
    • Die Zahl der Grund­wasser-Mess­stellen mit Nitrat­be­las­tungen von mehr als 50 mg/l hat sich in Bayern nach Daten­lage des Lan­des­amtes von 2018 zwi­schen 2010 und 2017 mit einem Anstieg auf 10,2 Pro­zent fast verdoppelt.
    • In Nord­rhein-West­falen beträgt der Anteil von Grund­was­ser­kör­pern in „schlechtem che­mi­schen Zustand“ laut einer Ver­öf­fent­li­chung des WWF aus dem Jahr 2018 44,8 Pro­zent; 31,6 Pro­zent der Mess­stellen über­schritten den gesetz­li­chen Grenz­wert für Nitrat von 50 mg/l.
  • Bei Grund- und Trink­wasser fehlen nach wie vor Grenz­werte für das Gros der Meta­bo­lite von Pes­ti­ziden sowie für Rück­stände von Arz­nei­mit­teln und vielen Indus­trie­che­mi­ka­lien. Die vor­han­denen Grenz­werte berück­sich­tigen nicht die Risiken von Wech­sel­wir­kungen dieser Gift­stoffe, wenn sie wie bei der Lei­tungs­was­ser­auf­be­rei­tung mit anderen Che­mi­ka­lien in Kon­takt kommen. Die gesund­heits­schä­di­gende Wir­kung dieser Stoffe ist auch wegen dieser vielen mög­li­chen Wech­sel­wir­kungen der­zeit nicht abschätzbar.
  • Die voll­stän­dige Besei­ti­gung dieser Gift­stoffe – ins­be­son­dere von Arz­nei­mit­tel­rück­ständen – ist bis­lang tech­nisch nicht möglich.

Dr. Franz Ehrn­sperger, Vor­sit­zender der Qua­li­täts­ge­mein­schaft Bio-Mine­ral­wasser: „Wenn die Natur gefährdet ist, sind wir es auch – daran erin­nert uns all­jähr­lich der Welt­um­welttag. Der dritte Teil unseres Schwarz­buch Wasser zeigt wieder ganz deut­lich, dass die Ver­schmut­zung unseres wich­tigsten Lebens­mit­tels durch die Inten­siv­land­wirt­schaft, aber auch durch Rück­stände aus der Indus­trie und Phar­mazie dra­ma­tisch vor­an­schreitet. Wir müssen unsere Was­ser­vor­kommen drin­gend besser schützen, kon­trol­lieren und flä­chen­de­ckend den was­ser­scho­nenden Öko­landbau vor­an­bringen. Nur dann kann es gelingen, unsere Lebens­grund­lagen auch für unsere Kin­des­kinder nach­haltig zu bewahren. Und genau dafür setzen wir von der Qua­li­täts­ge­mein­schaft Bio-Mine­ral­wasser uns jeden Tag aktiv ein.